2. Preis, Studienauftrag Arealentwicklung Zentrum, Zürich-Affoltern

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Standort
Neufrankengasse, Zürich - Affoltern, Schweiz
Jahr
2022

PROGRAMM:
Retail, Gewerbe, Wohnen

KUNDE:
Migros- Pensionskasse (MPK) und
die schweizerische Post

ORT:
Zürich-Affoltern, Schweiz

FLÄCHE:
Grundstücksfläche: 3'641 qm
Massgebliche Geschossfläche:
Wohnen: 9'400 qm
Verkauf: 575 qm
Dienstleistung: 1'482 qm

Studienauftrag mit Präqualifikation
2. Preis

ARCHITEKTEN:
ARGE
Gus Wüstemann Architekten AG/ HHF Architekten

PLANUNGSTEAM:
Sima Breer Landschaftsarchitektur
Dr. Lüchinger+Meyer Bauingenieure AG
Gartenmann Engineering AG
Swisstraffic AG
Kalt + Halbeisen Ingenieurbüro AG
Kasburg Siemon Ingenieure KIG

VISUALISIERUNG:
Zumo

STÄDTEBAU UND ARCHITEKTUR

Das nutzungsdurchmischte Ensemble besteht aus einem 13-geschossigen Hochhaus (Bau A) und einem daran anschliessenden L-förmigen Volumen (Bau B) mit sieben als auch einer davon abgesetzten Quartieranlage mit acht Etagen (Bau C). Die drei Komplexe sind intelligent positioniert und spannen einen allseitig offenen Aussen-
raum auf, der die um-liegende Gegend geschickt adressiert. Der Quartierhof, der vom geplanten Gebäudetrio umfasst wird, liest sich einerseits als attraktive Flaniermeile und vernetzende Passage, anderseits bildet er eine grüne Lunge. Diese korrespondiert mit dem benachbarten Zehntenhausgarten, mit dem sie sich mittelfristig gar verbinden soll. Die Markthalle im Hoch- und Eckhaus mit hohen, sehr einladend erscheinenden Erdgeschossen ist flexibel bespiel-bar, sodass die unterschiedlichsten Gewerbe – Cafés, Coiffeursalons oder Praxen, Büros, Restaurants oder Shops – von verschieden grossen Mieteinheiten profitieren. Gemeinsam mit dem als Solitär gestalteten Quartierhaus, das eine Post, einen Buchsalon und Offices beinhaltet, entsteht in Zürich-Affoltern ein neuer Hotspot mit urbanem Flair. Das belebte Gebiet besticht durch ein kommunikatives Zentrum rund um den Bahnhofsplatz und kann mit Events, etwa einem Wochenmarkt, zusätzlich vitalisiert werden. Die projektierte Situation erlaubt mit den unterschiedlichen Zonen ausserdem einen fliessenden Durch-gang und kreiert einen entschleunigenden Raum mit hohen Aufenthaltsqualitäten gleich-ermassen.

Die von präzisen Geometrien gezeichnete Architektur tritt mit ihrem differenzierten als auch gestaffelten Massstab in einen Dialog mit dem bebauten Kontext. Ebenso besticht sie durch erfrischende Bauelemente: Die offenen und gleichzeitig massiven Tischkonstruktionen aus Beton muten auf allen Seiten integrativ an, und die Kolonnaden, Sitztribünen und Vordächer schaffen clevere Verbindungen zur unmittelbaren Umgebung. Die hölzernen Streben verleihen, indessen Plastizität und setzen einen horizontalen Akzent im vertikal emporragenden Ensemble. Tiefe in die eher ebenen, von einem orthogonalen Holzraster gerahmten und in dezenten Farben gehaltenen Fassaden bringen auch die als Band angeordneten Loggien der Obergeschosse. Freiraum ist im Entwurf ein präsentes, durch-gehendes Thema: Nicht nur auf der gemeinschaftlichen Ebene der Stadt und im privaten Bereich des Wohnens, sondern auch auf dem Dach gibt es entsprechende Zonen. Sie sollen dort nachbarschaftliche Interaktionen stimulieren. In ihrer verschiedenartigen Gestaltung suggerieren die kollektiv nutzbaren Terrassen eine luftige Leichtigkeit, denn die filigranen Konstruktionen, die mit geraden, geknickten und gerundeten Formen abschliessen und sich mit Textil bespannen lassen, heben sich als elegante Dachkronen ab.

Das Hochhaus steht als eine Art städtische Landmarke an der Wehntalerstrasse und bildet den Eingang zur Jonas-Futter-Strasse hin zum Zentrumsplatz. Das Eckhaus komplettiert die urban konzipierte Fassadensprache zum Zehntenhausplatz und nimmt den Höhenmassstab seiner benachbarten Bauten auf. Die Quartieranlage liegt prominent am Zentrumsplatz, der als aufsteigendes Relief durchgestaltet ist: Der Bau C nimmt den Topografiesprung in sich auf, indem sich der Buchsalon auf dem Niveau des Quartierhofes, der Eingang zur Postfiliale hingegen eben am Zentrumsplatz befindet. Generell greifen Innen- und Aussenraum im Sinne eines organisch aufgefassten Raumkontinuums und durch die offen, integrativ und kommunikativ gestalteten Erdgeschosse ineinander. Die Dynamik der durchlässigen, doppelgeschossigen Markthalle und die verschiedenen Nischen und Gartenoasen sorgen für eine vitale als auch relaxte Atmosphäre. Die divers genutzten Erdgeschosse sollen das Flair und den Elan der umliegenden Stadt aufnehmen und als komplementäre Ebene deren Geist fortsetzen – Stadtebene und Erdgeschosse sollen zusammenspielen und sich miteinander verbinden.

NACHHALTIGKEIT UND KONSTRUKTIVE EINFACHHEIT

Das ressourcenschonende als auch qualitätsvolle Projekt ist einfach und pragmatisch geplant. Es stellt einen wichtigen Beitrag zu einer nachhaltigen Architektur dar. Die neuen Gebäude sind Hybride aus rezyklierten Beton und Schweizer Holz: Bestehen die aussteifenden Treppenhauskerne, die Erdgeschosse und die Bäder und Küchen aus ökologischem Recyclingbeton mit Zement Cem III/b (damit lassen sich die Kiesressourcen schonen und gegenüber einem konventionellen Hochbaubeton die Treibhausgasemissionen um rund 40 Prozent senken), so ist alles andere als reine Holzkonstruktion geplant. Dabei vereint das innovative Konzept eine energieeffiziente und funktional-wirtschaftliche Bauweise mit einem ausgesprochen hohen Anspruch an Flexibilität und Komfort. Im Innern sind die Ständerwände mit Lehm- statt mit Gipsplatten verkleidet. Die Fassaden der stringenten Holzkonstruktion mit klar konzipierten, regelmässiger Lastabtragung sind nicht brennbar und ab dem Regelgeschoss ist die intendierte Architektur klimaneutral.

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