Dokumentationszentrum - Gedenkstätte Bergen-Belsen

Loheide, Alemania
Foto © Klemens Ortmeyer
Foto © Klemens Ortmeyer
Foto © Stephan Falk
Foto © Stephan Falk
Lageplan
Dibujo © KSP Jürgen Engel Architekten
Schnitt
Dibujo © KSP Jürgen Engel Architekten
Grundriss Erdgeschoss und 1. Obergeschoss
Dibujo © KSP Jürgen Engel Architekten
Arquitectos
KSP Engel
Ubicación
Loheide, Alemania
Año
2007
Cliente
Stiftung niedersächsische Gedenkstätten

Mit seinen fast zweihundert Metern Länge ist das neue, vollständig aus Beton errichtete Dokumentations- und Informationszentrum der Gedenkstätte Bergen - Belsen ein ungewöhnliches Bauwerk. Wie eine lang gestreckte, von außen rätselhaft erscheinende, begehbare Skulptur liegt es mitten im Heidewald am Rande des ehemaligen Konzentrationslagers Bergen - Belsen. Das Haus folgt dem ursprünglichen, mit der Errichtung des Lagers veränderten Verlauf der alten Landstraße von Celle nach Hörste und wird so zu einem dreidimensionalen Teil des historischen Weges.

Nur wenige Öffnungen im Eingangsbereich, in der Cafeteria oder in der Bibliothek und im „Raum der Stille“ bieten gezielte, wie vom Rahmen eines Bildes gefasste Blicke hinaus auf die Kieferwälder. Denn das Haus orientiert sich bewusst nach innen, um den Besuchern ohne Ablenkung eine tiefgehende Auseinandersetzung mit den Dokumenten der an diesem Ort begangenen Verbrechen des Nationalsozialismus zu ermöglichen. Erst ganz am Ende öffnet sich in der großen, über zwei Geschosse reichenden Ausstellungshalle ein überbreites Fenster, das den Blick auf das ehemalige Lagergelände freigibt. Die Besucher können sich so wieder am Außenraum orientieren.

Der Weg durch das Dokumentationszentrum führt entlang einer geschlossenen Betonwand auf der einen und unterschiedlich großen, räumlich unterteilten Ausstellungsbereichen auf der anderen Seite. Und dieser Weg ist irritierend, denn er steigt auf ganzer Länge geringfügig an. Von außen betrachtet zeigt sich, dass der Kopf des Gebäudes über dem Gelände schwebt. Aus Respekt vor dem Ort schiebt es sich hier einige Meter über die ehemalige Lagergrenze hinaus, ohne den Boden zu berühren. Direkt daneben mündet der „steinerne Weg“ in das Lagergelände, den die Besucher längs durch das ganze Haus nehmen können, ohne dessen Räume zu betreten. Sie passieren einen engen, zum Himmel offenen Raum zwischen hohen, fensterlosen Betonwänden.

Durch seine außergewöhnliche Gestalt, die strenge Beschränkung auf wenige Materialien sowie den vollständigen Verzicht auf Schmuckformen vermittelt das Haus eine deutliche Botschaft. Diese Architektur ist unverrückbar und spiegelt die Ernsthaftigkeit, mit der einer schwierigen Aufgabe wie dieser formal und geschichtlich angemessen begegnet wird.

BGF
4.900 m²

Fertigstellung
10/2007

Auszeichnungen
Museumspreis Niedersachsen 2009
BDA-Preis Niedersachsen 2009
Niedersächsischer Staatspreis für Architektur 2008
Architekturpreis Beton 2008 –Lobende Erwähnung

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