Der verwunschene Schupfen

Wienerwald, Eichgraben, Austria
Ein altes Wirtschaftsgebäude wurde zur Schreibwerkstatt, Gästelaube und Kinderparadies.
Foto © Andreas Buchberger
Der Raum kann auch als abenteuerliches Gästezimmer dienen.
Foto © Andreas Buchberger
Foto © Andreas Buchberger
Sie erzählt die Geschichte dieser Sommerfrische neu.
Foto © Andreas Buchberger
Foto © Andreas Buchberger
Foto © Veronika Hofinger
Grundriss
Lageplan
Arquitectos
Franz&Sue
Ubicación
Wienerwald, Eichgraben, Austria
Año
2016
Cliente
privat
Equipo
Anna Ladurner (PL)
Statik
DI Margarete Salzer
Bauphysik
DI Andreas Perissutti

Wertschätzung
Die Handwerker im Dorf wollten den schwarzen „Schupfen“ (Scheune) aus dem 1934er Jahr eigentlich abreißen: zugig, verwittert, vom Holzwurm zerfressen sei er. Doch uns gefiel das schwarze Nebengebäude zum Wienerwald-Mansardenhaus, das wir zuvor radikal und respektvoll renoviert hatten.

Das Besondere an diesem Projekt ist die Wertschätzung, die diesem alten Wirtschaftsgebäude im Schatten der Wienerwald-Villen entgegengebracht wurde. Keller oder gar Garagen konnte sich damals in den Dreißigern nicht jeder leisten. Also zimmerte man Schuppen, wo Holz gelagert, Hasen gezüchtet und Wäsche ausgekocht und am Dachboden getrocknet wurde.

Magischer Rückzugsort
Die Wirtschaftsgebäude verloren in den letzten Jahrzehnten ihren Sinn, viele fallen zusammen. Doch das ist schade. Zu kleinen gemütlichen „Sheds“ ausgebaut, dienen sie heute als magische und erschwingliche Rückzugsorte für die Familie oder ihre Gäste.

Wir setzten also auf der Breitseite des Dachbodens eine großzügige Glasscheibe ein, dämmten den Dachstuhl behutsam und verkleideten die Wände mit grau lasiertem Fichtenholz. Eine Erhöhung wurde gepolstert, so kann der Raum auch als abenteuerliches Gästezimmer dienen.

Eichkätzchen beobachten
Eine Falltüre aus edlem Messing verschließt den verwunschenen Ort von dem aus die Eichkätzchen in den Baumkronen beobachtet werden. Unten stehen weiterhin Gartengeräte, Rasenmäher und Obststeigen, oben wird es wohnlich. Das Messing wird abends angestrahlt, das gibt ein gemütliches Licht – auch im eiskalten Winter, wo das unbeheizte Refugium zum Ausdampfen nach dem Saunagang dient.

Gelüftet wird der Schupfendachboden über ein bereits bestehendes Fenster und kleine Lüftungsluken, die an der Seite eingebaut werden. Das Dach haben wir nicht angefasst. Er ist voller Moos. Und das gefällt uns.

Die Villa war nach dem Krieg das Wochenendhaus einer typischen bürgerlichen Familie im Nachkriegsösterreich. Gemütlich saßen sie in der damals obligaten Zirbenstube zusammen, daneben knisterte der Kachelofen, darüber bogen sich schwere Deckenbalken. Das Leben war gemütlich, aber auch dunkel. Am Tisch stand der schmiedeeiserne Weinspender.

"Wer ein Haus renoviert, also die Geschichte eines Lebensraums fortsetzt, der muss ein guter Rechercheur und Erzähler sein. Und wer Hand anlegt an einen alten Bau, der braucht einen Architekten, der gut zuhören kann."
Unser Auftraggeber

Wir gaben zu verstehen, dass Stube und Kachelofen nur noch Ballast der Vergangenheit waren und deuteten zart an, dass das Haus mit rustikalem Kitsch überfrachtet war. Wo aber setzt man mit der Dekonstruktion an? Wo muss Altes respektiert, wo muss Neues radikal zugefügt werden?

Wir spürten mit dem Auftraggeber, dass es andere Elemente waren, die das Gebäude fortan prägen sollten. Diese knorrigen Apfelbäume, die hinter dem Haus blühten.
Die alten blutwurstroten Terrazzo-Böden, die wie Pompejische Schätze unter grauen Fliesen begraben waren. Der rutschige Holzboden. Die alten Kastenfenster. Erste Skizzen zeigten neue Wege und Blickachsen durch den Obstgarten und idyllische Plätze, die noch niemand entdeckt hatte. Wir gaben dem Haus eine neue, offene Struktur, ein neues Raumkonzept.

Wir setzten nur zwei radikale Schritte: Wir ließen eine Außenwand wegstemmen und durch eine großzügige, aber kostengünstige Glasscheibe ersetzen. Aus drei kleinen dunklen Zimmerchen machten wir ein großes, helles loftartiges, das nun den Blick freigab auf Obstbäume und Magnolie, auf das Bassin aus den Fünfzigern und den mit Carbolineum geölten Schuppen. In kleinen Nebenräumen spielen nun Kinder, auf einer gepolsterten Fläche fläzt sich die Familie, die Küche ist offen und abgesetzt zugleich.

Schuppen und Haus wurden mit einer schwebenden Lärchenholzterrasse verbunden, die wie ein offenes Wohnzimmer den Garten überblickt und dort kreisrund ausgeschnitten wurde, wo die alten Ontario-Apfelbäume stehen. Wenn die Kinder nun rausschauen aus dem spektakulären Fenster, sehen sie die Kronen der Obstbäume, die von unten beleuchtet werden.

Welches Spektakel sich hier nun zu jeder Jahreszeit offenbart! Wie fein die Strukturen verschneiter oder blühender Äste und heranwachsender Früchte sein können. Eine Kulisse, die immer schon da war, aber nie entdeckt wurde. Das Haus entfaltet auf einmal jene Magie, die schon die Vorfahren suchten. Durch die große Scheibe wird sie Teil des Hauses.

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