Foto © Benjamin Anthony Monn
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Natürlich leben

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Jahr
2015

Natürlich leben
Ein Holzbau im Herzen der Metropole

Innovationen sind nicht immer dort zu finden, wo sie zu erwarten wären – in den Medien, auf Messen oder in den Köpfen visionärer Denker. Manchmal sind sie bereits mitten unter uns, im täglichen Leben, angekommen. Genauer: in der Rheinstraße, in Münchens beliebtem Stadtteil Schwabing. Dort, im Innenhof mit der Hausnummer 14, ist in nur acht Monaten Bauzeit ein Stück Zukunft entstanden, das Wohnen von morgen. Das erste innerstädtische Passivholzhaus Deutschlands – eine Innovation mit Emotion. Holz als Werkstoff kommt mit diesem Projekt der GBW Gruppe zurück in die Stadt – einer der ursprünglichsten Baustoffe findet in einer deutschen Metropole wieder spektakuläre Verwendung.

Betritt man den Innenhof, dominiert ein Gefühl ganz besonders: endlich angekommen. Holz ist als Baustoff nicht nur ausgesprochen vielseitig, flexibel und robust, er begleitet den Mensch seit jeher. So schafft Holz ein tiefes Wohlbefinden, eine im innerstädtischen Planungsbetrieb oft vernachlässigte emotionale Verbindung. Der Mensch will leben, nicht nur wohnen.
Und so ist die Wärme, die das Objekt mit den zehn Wohneinheiten ausstrahlt, allgegenwärtig. Bodentiefe Fenster, zwei Dachterrassen und unbehandeltes Nadelholz harmonieren mit dem Innenhof, als hätte das Gebäude hier schon immer hingehört. Auffällig ist: Die Wohnräume sind konsequent nach Süden orientiert und größtenteils mit Fenstern übers Eck versehen. So werden die Räume von Tageslicht durchflutet und eine passive Wärmegewinnung im Winter ist garantiert.

Die Vorteile vom Werkstoff Holz sind insbesondere im direkten Vergleich mit der klassischen Massivbauweise auffällig. Hölzer aus der Umgebung haben kurze Lieferwege, dämmen von Natur aus und können bei Bedarf leicht ersetzt und wieder dem Kreislauf zurückgeführt werden. „Während Metall oder Zement nur eine Eigenschaft besitzen, ist Holz zug- und druckfähig gleichermaßen – ein unschlagbarer Vorteil“, sagt der Architekt Michael Ziller vom Architekturbüro zillerplus.

Die Holzelemente werden von erfahrenen Zimmerern in Werkshallen vormontiert, Türen und Fenster passgenau eingesetzt, mit Elektrik versehen. Die Teile werden angeliefert und auf der Baustelle zusammengesetzt, ein Anstrich ist nicht nötig. Auch kein Mauern, Zementanrühren und keine Baustoffe, die erst im komplizierten Materialmix ihren Zweck erfüllen und später wieder mit viel Aufwand voneinander getrennt werden müssen. Eine weitere massive Einsparung ist bei der Wärmeenergie auszumachen. Bei allen anderen Baustoffen benötigt man viel Hitze, um sie herzustellen – Stahl muss geschmolzen werden, Ziegel gebrannt. Holz kommt ohne diesen Energieaufwand aus, die Bauzeit verkürzt sich erheblich. Die Belastung für die vorhandenen Anwohner sinkt rapide und das hohe Maß an Passgenauigkeit garantiert einen reibungslosen Aufbau.

Die Grundsubstanz, auch die tragenden Wände, sind aus Fichte und bei der Verkleidung entschied man sich für Tanne aus bayerischen und tiroler Wäldern. Dieses traditionelle Holz ist in den Innenräumen gut an der Decke zu entdecken. Von dort aus verteilt es seine beruhigende Wirkung in alle Räume.

Insgesamt wurden im Innenhof in der Rheinstraße 360 Kubikmeter Holz verwendet. Bis zu ihrer Fällung haben diese Bäume 264 Tonnen CO2 der Atmosphäre entzogen – es ist also nicht nur ein emotionales, sondern auch ein ökologisches Projekt.

Bauherr
GBW Management GmbH

Fläche
BGF 1.230 m², 10 Wohneinheiten

Leistung
LP 1-5, teils 6,8

Auszeichnungen
Preis für Baukultur der Metropolregion München 2016, Anerkennung
Nominierung BDA-Preis Bayern 2016
GEPLANT + AUSGEFÜHRT 2015, Sonderpreis für nachhaltiges Bauen
Deutscher Holzbaupreis 2015, engere Wahl
Preis für Qualität im Wohnungsbau 2015, Anerkennung
Ehrenpreis für guten Wohnungsbau 2015

Infos unter: www.zillerplus.de

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