Neubau und Sanierung Musisches Gymnasium Salzburg

Österreich

one room

1. das zimmer und der ganze raum

2. disperse öffentlichkeit

3. verdrängte privatheit

4. fragment und bild

Der Text formuliert die Überlegungen zu den Themen urban planning und public space, welche aus den Arbeiten und Projekten des one room studios entwickelt wurden. Er ist, so wie die Projekte, das Ergebnis einer Überlagerung von Konzepten und Erfahrungen und somit die Momentaufnahme einer sich verändernden Diskussion.
1. das zimmer und der ganze raum

Grundlage für jede urbane Bebauung ist die Aufteilung der Fläche in Parzellen und offenen Raum. Parzellen waren nicht immer da und sichtbar werden sie erst durch ihre Nutzung. Verfügungsrecht und Besitz der Flächen sind der Ausgangspunkt städtischer Entwicklung. Erst durch diese Aufteilung der gesamten Fläche wird die Entwicklung sinnvoll begründet. Dieses abstrakte System der Fragmentierung einer bestehenden Topographie legt den Massstab und die Spielregeln fest und ermöglicht dadurch die ständige Veränderung und die kontinuierliche Entwicklung im Stadtgefüge.
"Um einen architektonischen Raum zu schaffen, muß der Mensch in den mathematisch-physikalischen Raum eingreifen und einen bestimmten Bereich oder Teil davon abgrenzen, abstecken oder markieren. Auf diese Weise wird architektonischer Raum erkennbar, er wird erfahrbar, er wird definiert."(1). Physikalisch ist der abgeteilte Raum unverändert. In gewisser Weise bleibt er Teil des Ganzen. Aus diesem Phänomen lässt sich ableiten, dass der abgeteilte Raum gleichsam vom gesamten Raum nur "ausgeliehen" ist. Ein wesentlicher Anteil des Zimmers bleibt als Referenz des ganzen Raumes erhalten.
Architektonischer Raum entsteht nicht nur durch die Abgrenzung von, sondern auch durch die gleichzeitige Verbindung mit der Umgebung. Das Zimmer definiert sich aus seinen Grenzen, um diese als solche zu erfahren, ist die transzendente Anwesenheit des Aussen notwendig. Die Anwesenheit von Licht und Luft stellt neben der praktischen Notwendigkeit auch eine symbolische Präsenz des Kontinuums im separierten Teil dar. Subjektiv stark empfunden wird diese Abteilung wenn der Kontrast zum Aussenraum sinnlich wahrnehmbar wird ( kalt / warm, nass / trocken, dunkel / hell, fremdbestimmt / selbstbestimmt, etc.). Architektonische (Fenster, Tür, Kamin, etc) und transzendierende Verbindungen (künstliches und natürliches Licht, Pflanzen, Medien, Kunst, Bücher, etc.) zum ganzen Raum thematisieren permanent diese Verhältnisse.
Das Zimmer ist die Bewusstseinsmaschine, die dem Subjekt jenes Spielfeld abgibt, auf dem sein Verhältnis zur Umgebung thematisiert wird.
Sieht man bauliche Massnahmen unter dem Aspekt, daß sie einen Teil der gesamten Raumressource speziellen Nutzungen und Nutzer/inne/n zur Verfügung stellen, und andere, bei gleichzeitiger Verknappung verfügbaren Raumes, von diesem ausschliesst, wird klar, welche Bedeutung öffentlichem Raum in Städten zukommt. Konkreter offener Stadtraum benötigt, um sich zu definieren, jene baulichen Elemente, die vorher vom Gesamtraum abgeteilt wurden. Deshalb sind qualitative Festlegungen für Gesamtraum und Gebäude in bezug auf die Konzeption und Beurteilung der Architektur wichtig.
Besondere Bedeutung kommt in diesem Zusammenhang der Verbindung von indoor- und outdoor-Situationen auf der Erdgeschossebene zu, denn sie prägt die Atmosphäre städtischen Lebens in besonderem Masse. Hier findet man verschiedenste Formen der Nutzung, die Möblierung eines Cafes, Werbung, künstlerische Projekte, etc., die sich mit einem bestimmten Ziel und unterschiedlichen Mitteln an ein Publikum wenden und so den öffentlichen Raum inhaltlich aufladen. Die tatsächliche oder symbolische Präsenz von solchen Inhalten über die vorhandenen Grenzen des Gebäudes hinaus repräsentiert jene "...dualistische Vorstellung einer Figur- Grund-Kontinuität von Masse und Hohlraum als komplementäre Erscheinungsform ein und desselben Raumes"(2). Architektonisch abgeteilte Räume werden damit inhaltlich wieder verknüpft.
Aus der gegenseitigen Beeinflussung von Topographie und Fragmentierung, sowie umbautem und offenem Raum leitet sich die gegenseitige Verantwortung und Durchdringung ab. Architektur erzeugt nicht einfach Innen- und Aussenraum, sondern ein System von Räumen, in dem das jeweils andere anwesend ist.

2. disperse öffentlichkeit

Voraussetzung für Öffentlichkeit ist ein gemeinsamer öffentlicher Raum. Der Raum den Medien und Computernetze für Öffentlichkeit bieten und konkreter öffentlicher Stadtraum in dem sich "wirkliche" Körper befinden gehören zu diesem gemeinsamen Raum.
Öffentlicher Stadtraum wird durch die Konkurrenz medialer und vitueller Räume inhaltlich ausgedünnt. "Wir leben in einer Zeit der Doppelexistenz von "Baukörpern" und "Informationskörpern", von wahrnehmbaren, aber besiegten Städten und nicht wahrnehmbaren aber siegreichen Nicht-Städten."(3) Die Öffentlichkeit teilt sich in immer speziellere Teilöffentlichkeiten und verlagert sich tendenziell von den konkreten Stadträumen in private oder zumindest abgegrenzte Bereiche und auch in die neuen medialen Räume.
Ein großer Teil der Bevölkerung bleibt so von der Teilnahme am gesellschaftlichen Leben ausgeschlossen, was scheinbar feststehende Vorstellungen von Demokratie und Politik, sozialer Integration und Kultur in Frage stellt. "Diese neue Politik ohne Polis, d.h. neue soziale Organisation des Zusammenlebens ohne die traditionellen Formen und Grenzen der Stadt, stellt die Demokratie vor neue Aufgaben. Denn die neuen Herrscher sind die Beherrscher der Netzwerke."(4)
Öffentliche Stadtäume reduzieren sich immer mehr auf reine Verkehrsräume. Gemeinsam mit Parks stellen sie den Rest öffentlich verwalteten Raumes dar. Andere Orte (Theater, Museen, Sportstätten, Bäder, Schulen, etc.), die als Treffpunkte dienen können, werden privatisiert.
Neue öffentliche Räume (shopping center, fun park, etc.) entstehen meist an der Peripherie der Städte.
Das Motiv für privates Betreiben solcher Einrichtungen ist zwar ein ökonomisches, politische, soziale und kulturelle Inhalte werden mitgetragen, sofern sie mit den Interessen der privaten Investoren übereinstimmen. Da die privaten Eigentümer bestimmen wollen wer was in diesen Räumen macht, kontrollieren sie den Zugang. Um diese Kontrolle wirksam ausüben zu können, befinden sich diese neuen öffentlichen Räume meist im Inneren von Gebäuden. Diese neuen öffentlichen Räume polarisieren, weil sie ausgrenzen. "Für mich ist völlig klar: der öffentliche Raum ist tot. Manchmal erwacht er wieder zum Leben, aber das hat dann nichts mit Architektur zu tun. Die Schwierigkeit mit dem öffentlichen Raum ist die gleiche wie in der Politik, eine Art Lähmung ist da, eine Inaktivität. Der öffentliche Raum ist tot, weil die Stadt zu einem System miteinander verknüpfter Innenräume geworden ist."(5)
Auf konkrete Räume bezogen wäre eine Frage, ob man traditionelle öffentliche Räume stärken und damit erhalten will, und/oder ob man die Entwicklung der neuen Zentralen fördert. Also die Frage nach dem Weg, wie man von einem entweder shopping center an der Peripherie, oder Geschäfte in den historischen Stadtkernen zu einem "sowohl als auch" findet.
Von den Politikern wird private Initiative in den stark reglementierten historischen Stadtteilen angestrebt, was aber eine Deregulierung auf der Ebene der Gesetze und Verordnungen verlangt. Die alten Stadtzentren stärken, hieße womöglich ihren besonderen Schutz aufgeben, um ihre Entwicklungsmöglichkeiten neu zu entfalten.
Die neuen Zentren an der Peripherie sind meist große Monokulturen. Sie positiv zu beeinflussen, hieße für eine Anreicherung und Durchmischung mit anderen (sozialen, kulturellen, politischen) Funktionen zu sorgen.

3. verdrängte privatheit

Gleichzeitig mit den Veränderungen im öffentlichen Raum haben sich die privaten Räume inhaltlich polarisiert. Durch das Vorhandensein von Fernsehen und Computernetzen in der Wohnung ist diese nicht mehr nur privat. "Durch die allgegenwärtige Tele-Präsenz und globale Simultaneität, geschaffen durch die Telemaschinen und computergestützten Netzwerke, wird die Erde zu einem Herd, schrumpfen Kontinente zu Keksen. Kontinente werden zu Möbeln im Wohnzimmer Erde, Länder werden zu Tellern auf dem Tisch der Städte."(6) Innerhalb der und durch die computergestützten Netze entsteht ein anderer Massstab, Distanzüberwindung ist keine Frage der Bewegung von Körpern, das Netz umspannt die Welt und wir bewegen uns darin.
Der Gestaltung des privaten Lebens scheint angesichts der Omnipräsenz an Öffentlichkeit nur mehr periphere Bedeutung zuzukommen. In der derzeitigen Diskussion geht es eher darum wie Arbeit, Information etc. (also eigentlich nicht private Bereiche) in die Wohnungen integriert werden könnten.
"Ein möglicher Ausbruch ist das erneute Einwandern von Arbeitsmöglichkeiten in die Wohnung, mithin die Rückgängigmachung der modernen Trennung und des mit der Trennung erreichten sozialpolitischen Standards. Für junge Menschen ist die eigene Wohnung nur mehr bedingt das, was sie für die vorangegangene Generation war, ihre Hauptfunktion ist die einer Operationsbasis für eine auf Teilzeitarbeit, prekäre Jobs, hohe Mobilität angelegte Lebensführung."(7)
Veränderte Lebensweisen und gesellschaftliche Bedingungen könnten hier Veränderungen fördern. Finanzielle Grundversorgung für alle wird privatem Engagement und dem Arbeitsbegriff eine neue Grundlage geben und subjektiven Äußerungen im öffentlichen Bewusstsein wieder mehr Bedeutung verschaffen.
Es geht darum das Entstehen subjektiver Interessen gegenüber einer nivellierenden öffentlichen Meinung zu ermöglichen.
Der eigentliche event am gewohnten Ort war das Leben der Kleinfamilie, so wie der Begriff "Wohnen", wie wir ihn heute gebrauchen, ein Produkt der Moderne. Obwohl der Anteil der Kleinfamilien an den Haushalten ständig abnimmt, orientiert sich der Standard der Wohnbauproduktion heute noch ausschliesslich an dieser Lebensform und hemmt so die Entwicklung anderer Modelle. Praktisch sind soziologische Begriffe wie intim, privat und öffentlich, in dem was Wohnung heisst, nicht mehr getrennt oder abgestuft, sondern gleichzeitig und gleichwertig vorhanden.
Das zentrale Thema zeitgenössischen Wohnens ist mit den Begriffen Selbstbestimmung, Identität und Sinn beschreibbar. Im Sinne einer selbstbestimmten Lebensführung scheint es logisch, die Wohnung als einen äusseren Rahmen für eine individuelle Sphäre anzubieten, also alle Separierungen und Abteilungen neu zu hinterfragen. Der Architektur bleibt die Definition zwischen fremd- und selbstbestimmt, also im Wesentlichen der tragenden Konstruktion und der Hülle, als Thema. Die "Mission" der Architektur und der Architekt/inn/en (Architektur beeinflusst Lebensweise, Architekt/inn/en kennen die richtige) kann beendet werden. Was sich damit eröffnet, ist nach mehreren Seiten wirksam. Die einseitige Bevorzugung einer Lebensform wäre aufgehoben, die Kosten würden sinken, die Entwicklung zeitgemässer Lebensormen würde durch die Freigabe der Inhalte entidiologisiert und dadurch beschleunigt und unterstützt.

4. fragment und bild

Durch die Überlagerung der konkreten Räume mit dem medialen Raum verwischt sich die Bedeutung von Architektur. Sie verliert ihre Abschirmungsfunktion gegenüber einer sich dispers in den privaten Raum ausbreitenden Öffentlichkeit. Die dadurch hervorgerufene Dynamisierung stellt an die Menschen die Anforderung eines dauernden Oszillierens zwischen den Bereichen (Arbeit / Freizeit, intim / öffentlich, etc.) . Eine Vision der Stadt, nämlich an einem Ort, aber mit allen anderen Orten verbunden zu sein, scheint Realität geworden zu sein. Ganz im Sinne von Relativität existieren verschiedene Schichten der realen Stadt und ökonomische, mediale, kulturelle Netze gleichzeitig und gleichwertig ."Im Normalfall waren und sind die Städte tief in die wirtschaftlichen Gegebenheiten ihrer Region eingebettet und spiegeln deren charakteristische Züge oft deutlich wider..... In manchen Fällen kommt es dabei zu einer Überlagerung verschiedener Bezugssysteme: Paris oder London zum Beispiel sind nicht nur in ihr jeweiliges nationales Städtesystem, sondern auch in das transnationale europäische und das globale Städtesystem eingebunden."(8) Stadtentwicklung bewegt sich immer auf mehreren Diskursniveaus gleichzeitig: von globaler Positionierung bis zur Verbesserung der konkreten Situation am Ort, im Quartier und der Nachbarschaft.
Die Überlagerungen der Ressourcen von Städten ergeben nie und nirgendwo gleiche Bilder. Die Topographie, die Eigenheiten der Architektur und des Stadtplanes, die Geschichte und die Vergangenheit ebenso wie die aktuelle ökonomische, politische und kulturelle Situation sind zusammengenommen immer unverwechselbar. Bei der Analyse bestehender städtischer Strukturen stellt sich die Frage wo diese Ressourcen kulminieren, d.h. komplexe inhaltliche Verschränkungen für weiterführende Strategien einer Stadtentwicklung existieren, um diese vorhandenen, aber oft unsichtbaren, Werte neu wirksam werden zu lassen. Positive Analyse beschäftigt sich weniger mit Mängeln im Bestehenden, trachtet auch nicht vordergründig nach deren Entfernung, sondern sucht durch Verwendung vorgefundener Situationen den Wert und die Identität zu stärken.
Eine wichtige Überlegung geht von der Erfahrung aus, dass die Bewertung einer Situation oder eines Gebäudes nie absolut ist, sondern von verschiedenen Perspektiven und zu unterschiedlichen Zeiten andere Resultate ergibt. Das bedeutet, es gilt eine Methode anzuwenden, die ohne Bewertung auskommt, mit dem Vorteil, auch nichtmoralische Szenarien ernsthaft durchspielen zu können.
Ganzheitliche Planungsmethoden im urbanen Bereich neigen dazu vorhandene Bedeutungen zu löschen anstatt sie zu integrieren. Diese Entwertung oder Marginalisierung vorhandenen Materials vermindert in der Folge den Handlungsspielraum.
Der Wert urbaner Fragmentierung liegt in der Fähigkeit begründet sofort umgesetzt werden zu können. Jeder einzelne Teil macht für sich schon Sinn. Fragmentierte Elemente können wie "homäopatische Injektionen" eingesetzt werden, um Entwicklungen einzuleiten, ohne ein festgelegtes Gesamtbild erfüllen zu müssen. Sie sind nicht in erster Linie ästhetisch, oft das Gegenteil.
"Man kann im Grunde nur aus der Erfahrung heraus wissen, dass Städtebau etwas anderes ist als Architektur. (...) Das Wichtigste am Städtebau ist, dass es niemals wirkliche Gestaltung geben braucht." (9). Städtebauliche Konzepte müssen die bauliche Entwicklung und deren Anpassungsfähigkeit an sich verändernde Bedingungen gewährleisten. Eine bis ins Detail festgelegte Vorstellung von Stadt oder ihrem Aussehen wäre gleichzeitig ihr Ende. Sie kann deshalb auch nicht das Ziel einer urbanistischen Methode sein.
Dem könnte man die Frage entgegenhalten: warum ist etwas etwas und nicht nichts? Damit meine ich, dass Planung ohne Gestalt, ohne ein "Bild" das entworfen wird, auch im Städtebau nicht ausreicht.
Die Kunst liegt demnach darin, "strategische" Bilder einer zukünftigen Stadt von perfekter Unvollkommenheit zu entwerfen.

Karl Meinhart, August 1997

Karl Meinhart
Geboren 1954. Architektur-Diplom an der TU Wien.
Seit 1992 Atelier in Wien.
Seit 1997 gemeinsame Arbeit mit Georg Huber im one room studio Salzburg-Wien (Collective Spaces, West Arc Competition, Cultural Capital of Europe 1997, Thessaloniki).
Mitglied der Kuratorengruppe für das internationale Kunstprojekt "Öffentlicher Raum / public space, Salzburg 1997-98".

(1) Bernhard Hoesli
Transparente Formorganisation als Mittel des Entwurfes,
in: Transparenz, Colin Rowe und Robert Slutzky, Addendum 1982, Birkhäuser Verlag gta Basel Boston Berlin, vierte erweiterte Auflage, 1997, S.90
(2) Bernhard Hoesli
ebenda, S.92
(3) Martin Pawley
Das Verschwinden der Architektur,
in "Spektrum", Wiener Tageszeitung "Die Presse" vom 7.6.1997, S.2
(4) Peter Weibel
Die virtuelle Stadt im telematischen Raum,
in: Mythos Metropole, hg. von Fuchs, Moltmann und Prigge,
Surkamp Verlag, Frankfurt/M., 1995, S. 227.
(5) Rem Koolhaas
zum Stichwort "öffentlicher Raum"
in: Babylon Berlin etc., das Vokabular der europäischen Stadt,
hg. von Hans Stimmann, Birkhäuser Verlag, Basel Berlin Boston, 1995, S.175.
(6) Peter Weibel
Die virtuelle Stadt im telematischen Raum,
in: Mythos Metropole, hg. von Fuchs, Moltmann und Prigge,
Surkamp Verlag, Frankfurt/M., 1995, S. 223.
(7) Dieter Hoffmann-Axthelm
Wohnen als fixe Idee,
in: Daidalos 60, Juni 1996, Bertelsmann Fachzeitschriften GmbH, Gütersloh, 1996, S.41.
(8) Saskia Sassen
Metropolen des Weltmarkts,
Campus Verlag, Frankfurt/New York, 1996, S. 74.
(9) Joost Meuwissen
Netze der Architektur
Liqueur, Forum Stadtpark Graz, 1996, S. 19

abstract

one room

Architektonischer Raum entsteht nicht nur durch die Abgrenzung von, sondern auch durch die gleichzeitige Verbindung mit der Umgebung. Das Zimmer definiert sich aus seinen Grenzen, um diese als solche zu erfahren, ist die transzendente Anwesenheit des Aussen notwendig. Licht und Luft stellen neben der praktischen Notwendigkeit auch eine symbolische Präsenz des Kontinuums im separierten Teil dar.
Architektonische (Fenster, Tür, Kamin, etc) und transzendierende Verbindungen (künstliches und natürliches Licht, Pflanzen, Medien, Kunst, Bücher, etc.) zum ganzen Raum thematisieren permanent diese Verhältnisse.
Das Zimmer ist die Bewusstseinsmaschine, die dem Subjekt jenes Spielfeld abgibt, auf dem sein Verhältnis zur Umgebung thematisiert wird.
Obwohl der Anteil der Kleinfamilien an den Haushalten ständig abnimmt, orientiert sich der Standard der Wohnbauproduktion heute noch ausschliesslich an dieser Lebensform und hemmt so die Entwicklung anderer Modelle. Praktisch sind soziologische Begriffe wie intim, privat und öffentlich, in dem was Wohnung heisst, nicht mehr getrennt oder abgestuft, sondern gleichzeitig und gleichwertig vorhanden.
Das zentrale Thema zeitgenössischen Wohnens ist mit den Begriffen Selbstbestimmung, Identität und Sinn beschreibbar. Im Sinne einer selbstbestimmten Lebensführung scheint es logisch, die Wohnung als einen äusseren Rahmen für eine individuelle Sphäre anzubieten, also alle Separierungen und Abteilungen neu zu hinterfragen. Der Architektur bleibt die Definition zwischen fremd- und selbstbestimmt, also im Wesentlichen der tragenden Konstruktion und der Hülle, als Thema. Die "Mission" der Architektur und der Architekt/inn/en (Architektur beeinflusst Lebensweise, Architekt/inn/en kennen die richtige) kann beendet werden.

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Kategorie
  • Architekten
Standort
vienna, Österreich
Mitarbeiter
3
Website
www.oneroom.at
Gründung
1992