Wien Museum Neu / 8. Rang

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Jahr
2015

Umbau und Erweiterung für das Wien Museum am Karlsplatz

Städtebau - Die Protagonisten des Public Flow am Karlsplatz
Die Erweiterung des Wien Museum am Karlsplatz soll städtebaulich auf die Situation am Karlsplatz eingehen und architektonisch das bestehende Museum innovativ und zeitgemäss erweitern.
Ausgangspunkt ist der Situationsplan des Karlsplatzes von 1912, in dem die Symmetrie der Karlskirche im Layout des Platzes wieder aufgenommen wird. Dieser traditionellen, urbanen Morphologie folgend, erweitern wir das Museum Wien als massiven Solitär. Die bestehende Verbindung zum Axa Gebäude wird aufgelöst. Im erweiterten Perimieter sehen wir eine Ausdehnung des Karlsplatzes und eine Integration der Kunsthalle Wien ins Karlsplatz Ensemble durch die Stilllegung des Autoverkehrs auf dem Karlsplatz zwischen Wiednerstrasse und Kärtnerstrasse. Die verschiedenen Institutionen wie Kunsthalle Wien, Universität, Karlskirche und WMN spannen ein kulturelles Beziehungsfeld –über den Karlsplatz auf, ausgehend von der Metrostation unterhalb des Otto Wagner Pavillons.

1912 Masterplan
Wir verwenden den 1912 Masterplan, der uns die Institutionen am besten in Beziehung zu setzen erscheint. Die Symmetrien und Diagonalen geben ein Gespür der Absicht der Geschichte des Wien vor hundert Jahren. Dieser Masterplan wird dem jetzigen Karlsplatz überlagert und bleibt informativ als Spur der Geschichte erhalten.
Alle bestehenden Bäume werden erhalten und mit dem Masterplan von 1912 überlagert.

Karlspark – Karlsplatz - Öffentlichkeit
Die westliche Seite des Karlsplatzes zwischen Otto Wagner Pavillon (Metro), den Bildungsinstituten Technische Universität und der evangelischen Schule wird Campus ähnlich als Park gestaltet. Alle Flächeninseln des Masterplans von 1912 sind Grünflächen. Diese Parkanlage kann weiterhin als Erholungszone für die Studenten, Schüler und die wiener Bevölkerung genutzt werden. Die Erschliessung des Stadtparks zwischen den Institutionen und dem public Flow erfolgt entlang den Achsen des 1912 Masterplans.
Die östliche, kulturelle Seite des Karlsplatzes zwischen WMN, Karslkirche und Otto Wagner Pavillon, sehen wir neu als Stadtplatz mit einer, den am Platz angelagerten Institutionen angemessenen Öffentlichkeit. Auch auf dem Stadtplatz werden alle bestehenden Bäume erhalten. Der Bodenbelag wird durchgehend mit Steinen gestaltet. Der Masterplan von 1912 ist aufgrund unterschiedlicher Behandlung der Steine als Imprint der Geschichte lesbar. Die Zirkulation über den Platz erfolgt nicht mehr entlang den Achsen des Masterplans, sondern frei, nur gefiltert durch die bestehenden Bäume.
Über die Wandlung dieses Teils des Karlsplatzes zu einem mit Bäumen bespielten Stadtplatz entsteht angemessen Raum für die Institutionen, ohne grosse Eingriffe ins heutige Mikroklima.
Entlang der Peripherie des Platzes werden kongruent mit der Masterplangeometrie Sitzflächen
geplant, ebenfalls werden auf dem Platz einzelne Bäume, ähnlich wie schon heute bei der evangelischen Schule, mit kreisförmigen Sitzbänken eingerahmt.

WMN – Karlsplatz
Das WMN steht am östlichen Ende des Karlsplatzes. Der Haupteingang ist am neuen Stadtplatz und wird über diesen entlang und zwischen den Bäumen erschlossen. Am Norden zur Lothringerstrasse pflanzen wir einige Bäume um, damit das WMN wieder eine sichtbare und markante Adresse zur Stadt bildet. Die Besuchergruppen kommen an der Maderstrasse an, wo auch die Bus Parkplätze sind. Von dort gelangen sie über die Symphonikerstasse zum Museum. Der Personaleingang und die Anlieferung des Museums erfolgen ebenfalls über die Maderstrasse.
Die neue Terrasse des WMN mit dem Café, bildet einen halböffentlichen Ort zwischen Karlsplatz und WMN. Die Terrasse ist das Dach der neuen temporären Ausstellungsräume, die sich so sanft im Kontext des Platzes manifestieren. In Anlehnung an das bestehende Haerdtl Gebäude sind Glasbausteine als Spiegelung der bestehenden Fassade in den Terrassenboden eingebaut. Diese Oblichter bringen falls erwünscht Tageslicht in die Ausstellungsräume und Abends beleuchten Sie atmosphärisch die Terrasse vor dem WMN. Der Dialog Haerdtl -WMN und Karlsplatz, bereichert den neuen Ort.
Kontextualisierung
Im Zentrum unserer Aufgabestellung für die Erweiterung des Historischen Museums der Stadt Wien steht die Frage, wie sich „Altes“ und „Neues“ in ein Verhältnis bringen lässt ohne eine separierende Zuweisung in alt und neu, sondern in welchem die Elemente sich verbinden und gegenseitig beantworten. Die Qualitäten des Bestehenden sollen gewürdigt und betont werden. Beziehungen zum Werk Oswald Haerdtls und der bedeutenden Otto Wagnerschen Vorgeschichte, die sich parallel zu unserer Projektentwicklung anerboten haben, wollen wir annehmen.
Das Projekt besteht aus drei Erweiterungen: nach oben, nach unten und in die Fläche.
Die Erweiterung nach oben entfaltet eine markante Präsenz, ohne den Massstab zur Umgebung zu verlassen. Die Karlskirche bestimmt die neue Gebäudehöhe und bleibt Hauptakteurin, sie erhält aber einen starken Partner an ihre Seite.
Die Erweiterung nach unten wird äusserlich als Terrassenoberfläche manifest; der Raumdeckel definiert den Terrassenbezirk.
Die Erweiterung in die Fläche dient der Belichtung nach unten und als Terrasse. Sie verweist auf das darunter liegende Volumen und korrespondiert in ihrer Feldeinteilung mit der Fassade: „Decke“, „Boden“, „Wand“ treten gemeinsam in Erscheinung.
Bestehendes und Erweiterndes nimmt sich gegenseitig auf. Ein archaischer Baukörper kontrastiert die filigrane Ausformulierung der bestehenden Fassade, ihrer Differenziertheit wiederum das kompakte Volumen der Aufstockung. Es entsteht keine Hierarchisierung, sondern Integration. Für die Erweiterung wird wie im Kontext Stein verwendet, die Oberfläche wird kontrastierend roher gehalten. Die Feldeinteilung entwickelt ein feines Fugennetz. Der Gedanke vom „Kern“, der von der „Stilhülse“ befreit wurde, wird nach innen fortgesetzt: die äussere Materialerscheinung bestätigt sich innen als Materialwahrheit.

Typologie– Programm

Das Museum wurde so organisiert, dass dem bestehendem Haerdtl Gebäude mit den vielen Fenstern, ausschliesslich Programme mit Tageslicht zugewiesen werden. Im Erdgeschoss das Foyer mit Eingang und Café, im 1.Obergeschoss die Veranstaltungsräume mit Büros und quasi’ in situ‘ dem Direktorenzimmer als Teil der permanenten Ausstellung. Im 2.Obergeschoss ist ein Teil der permanenten Ausstellung . Der neue Teil im Dachgeschoss und im Untergeschoss ist morphologisch eine Raumerweiterung der bestehenden Masse ohne architektonische Referenz oder Konnotation, also ohne Fenster, aber mit Einschnitten. Bei Bedarf kann über die Schnitte in den Steinmassen Tageslicht in die Ausstellungsräume geführt werden.

Organisation Museum
Eingang / Foyer
Der bestehende Eingang ist neu auch der Eingang des WMN. Das Museumscafe mit Terrasse verbindet und erweitert als neuer halböffentlicher Begegnungsort den Karlsplatz. Das Erdgeschoss ist mit einer grossen, massiven Treppenlandschaft mit dem Untergeschoss verbunden und generiert ein Foyer über zwei Geschosse.
Im Erdgeschoss sind der Ticketschalter, die Garderoben, der Museumsshop und die Cafeteria angeordnet.

Zirkulation und Museum
Die Museumserschliessung erfolgt über das bestehende Haerdtl Treppenhaus vom Erdgeschoss Foyer in die Obergeschosse. Ab dem 2.Obergeschoss führt neu eine massive Treppe ins Dachgeschoss, in die permanente Ausstellung.
Vom Foyer im Erdgeschoss führen zwei Treppenlandschaften über den Lichthof in das Foyer der temporären Ausstellung im Untergeschoss. Die beiden Treppenanlagen ermöglichen einen Rundgang zwischen den beiden Foyers. Der Besucher muss nie den gleichen Weg zurück. Durch den Einbezug des Haerdtl Treppenhauses in die Haupterschliessung des Museums, ergibt sich eine Aufwertung des historischen Treppenhauses.
Neue Liftanlagen führen direkt vom Foyer in alle Ausstellungsräume.

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