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Arbeiten – nicht mehr „unter Strom“

Durch Umnutzung erhalten – das unter Denkmalschutz stehende ehemalige Umspannwerk in Hannovers Südstadt.
Durch Umnutzung erhalten – das unter Denkmalschutz stehende ehemalige Umspannwerk in Hannovers Südstadt.
Als die Wohnraumnot in den 1920er Jahren zur Wohnbauförderung führte, entstanden in der Südstadt Hannovers durch Gliederungs- und Materialvorgaben homogene Backstein-Siedlungen. Aus dieser Zeit stammt das freistehende, dreistöckige Umspannwerk, bei dem der Aufbruch in die Moderne sich als eine Mixtur aus strenger Sachlichkeit und meisterhaft gemauerter Ornamentik äußert. Ein erst in den 1960er Jahren angefügter Bauteil lässt diese hohe Mauerwerkskunst leider vermissen und wirkt deplaziert. Dessen ungeachtet steht der Bau seit 1993 unter Denkmalschutz und war bis 2006 für die Energieversorgungswerke in Betrieb. Inzwischen wird er wieder genutzt: Als gewerbliches Bauherrenmodell konnte der Koloss mit über 1900 Quadratmeter Nutzfläche nun nach rund 18 Monaten Bauzeit bezogen werden. Von zwei Seiten wird das 2500 Quadratmeter große Areal samt seiner 25 Parkplätze über zwei Zufahrten erschlossen.
Um im Erdgeschoss ausreichende Raumhöhen zu erreichen, wurde es abgesenkt und anliegendes Erdreich abgetragen. Die neue Vermauerung der Fassade ist gut sichtbar.
Um im Erdgeschoss ausreichende Raumhöhen zu erreichen, wurde es abgesenkt und anliegendes Erdreich abgetragen. Die neue Vermauerung der Fassade ist gut sichtbar.
Die Umwandlung des historischen Schmuckstücks stellte die Planer allerdings vor außergewöhnliche Herausforderungen. Um im Erdgeschoss eine nutzbare Raumhöhe von 2,80 Meter zu erreichen, ließen sie den Fußboden rund 70 Zentimeter absenken. Neben der abschnittsweise erfolgten Außenwandabfangung musste auf der Südseite – entsprechend der Absenkung – das Erdreich abgetragen werden. Beim genaueren Hinsehen wird dieser Vorgang am Klinker der Fassade ablesbar. Ein wohltuender Glücksfall für das Bauwerk: Die einst gedrungene Erscheinung ist gewichen. Wie selbstverständlich fügt sich der freigeschnittene Körper in die Umgebung ein.
Blick in das neu eingefügte Treppenhaus. Die Kugelleuchten betonen die Vertikale.
Blick in das neu eingefügte Treppenhaus. Die Kugelleuchten betonen die Vertikale.
Um großzügige Arbeitsflächen zu gewinnen, wurde die Industriebrache entkernt, ehemalige Deckendurchbrüche geschlossen. Dank oberflächenschonender Sandstrahlung der Gebäudehülle im Rotec-Wirbelstrahl-Verfahren glänzt der Bau jetzt wieder in alter Schönheit. Die Sprosseneinteilung der dreifach verglasten Holzfenster in den Bestandsöffnungen wurde mit den Denkmalpflegern abgesprochen. Raumhohe Scheiben verleihen dem Erdgeschoss unerwartete Großzügigkeit, erstes und zweites Obergeschoss bestechen durch ihre Höhe von 3,45 beziehungsweise 5,00 Meter.
Neue Innenraumgestaltung im Abschnitt C
Neue Innenraumgestaltung im Abschnitt C
Die Projektleitung des Umbaus lag in den Händen des Innenarchitekturbüros Indigo, das den Riegel in vier vertikale Segmente mit drei Zugängen unterteilte. Die innenräumliche Gestaltung der Teilstücke übernahmen unterschiedliche Planer, Indigo selbst zeichnet für die Gestaltung der Sektion C verantwortlich. Neben dem sanierten Treppenhaus an der östlichen Stirnseite (Abschnitt A) erfolgt die Erschließung des westlichen Abschnitts D über eine außenliegende Stahltreppe. Die beiden mittleren Sektionen B und C erhielten einen puristisch anmutenden Aufgang im ehemaligen Transformatoren-Turm. Die dafür verwendeten Betonfertigteile wurden über die Schachtöffnung im Dach eingelassen – die nun verglaste Dachluke lenkt den Blick des Besuchers entlang der abgehängten Kugelleuchten unweigerlich gen Himmel. Unterschiedliche Farben im Zugangsbereich setzen die Geschossebenen klar voneinander ab. Das Arbeiten in einem Industriedenkmal ist durch Bestandsunterzüge, unverputzte Wände, Gussasphalt und geschliffenen Estrich immer noch allgegenwärtig und angenehm spürbar.
Hartmut Möller
Grundriss Erdgeschoss
Grundriss Erdgeschoss
Grundriss 1. OG
Grundriss 1. OG
Querschnitt
Querschnitt
Umspannwerk Süd
2012

An der Weide 33
30173 Hannover

Bauherr
Bauherrengemeinschaft Wredestraße 4
Hannover

Architekten
Planungsgemeinschaft Indigo Innenarchitektur
Hannover

Projektleiter
Stefan Thöle

Tragwerksplanung
Ingenieurgemeinschaft Schülke und Gerke
Hannover

Freiraumplanung
Andreas Ackermann
Hannover

Bruttogeschossfläche
2.348 qm

Fotografie

Hartmut Möller

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