Noblesse im Gewerbegebiet

Das Kunstmuseum in zweiter Reihe auf dem Firmengelände
Seit den frühen 1980er Jahren sammelt das Ehepaar Froehlich, Inhaber einer Fabrik für Testgeräte im Fahrzeugbau, zeitgenössische Kunst. Kiefer, Beuys, Baselitz, Flavin, Judd, Richter, Trockel und viele andere: Was Rang und Namen in der Kunstwelt hat, findet sich auch in der Sammlung Froehlich – nicht einzelne Werke, sondern "Werkblöcke" aus verschiedenen Schaffensphasen der Künstler, die mit den Sammlern auch meistens persönlich bekannt sind. Zunächst sah es so aus, als werde mitten in Stuttgart für diese Sammlung ein Museum gebaut, doch zerschlug sich das Vorhaben. Stattdessen baute Froehlich nun ein eigenes Museum auf seinem Firmengelände in Leinfelden-Echterdingen – mitten im Gewerbegebiet, nahe der S-Bahn zum Flughafen.
Um die Kunst wird kein Geheimnis gemacht: viel Glas in unterschiedlicher Bearbeitung
Die Museumsaufgabe nutzte die Architektin keineswegs, um zwischen den Bürobauten mit formaler Extravaganz aufzutrumpfen. Vielmehr fügt sich das Kunsthaus elegant in das vorhandene Ensemble ein, macht jedoch mit einer gewissen Noblesse auf sich aufmerksam. Konzeptionell sind zwei Baukörper mit einem verglasten Raum verbunden, was im Inneren schöne Durchblicke zur Folge hat und von außen Aufschluss über die Qualität der Kunstsammlung gibt.
Glasflächen über zwei Geschosse lassen viel Tageslicht ins Haus.
Die Größe mancher zeitgenössischer Kunstwerke verlangt nach entsprechend großen Räumen. Nur ein kleiner, gleichwohl lohnender Teil der Sammlung ist hier zu sehen, das Meiste befindet sich im Lager (Erdgeschoss) oder ist verliehen. So kann man hier auch von einem Schaulager sprechen, das jedermann offen steht und dem man viele Besucher wünscht, die auch aus den Betrieben der Umgebung vorbeikommen.
Treppenhaus, offen und gut einsehbar.
Die Treppe ist als freistehende Betonkonstruktion ausgeführt und mit einem fein detaillierten Glasgeländer versehen. In den Obergeschossen findet sich auch ein Besprechungsraum sowie die Sammlungsverwaltung. So unspektakulär das Gebäude aussieht, so spektakulär reizt es die Spannung zwischen geschlossen und offen aus. Auch die rückwärtige Seite zu unbebauter Grünfläche hin weckt Neugier, ohne sich in der Gewerbenachbarschaft aufzudrängen. Solche Kunstmuseen wünscht man sich auch in der Stadt: in souveräner Zurückhaltung, ohne die geringste Schwellenangst zu erregen.
Ursula Baus
Die rückwärtige Seite an der Grundstücksgrenze.
Lageplan
Erdgeschoss
1. Obergeschoss
2. Obergeschoss
Schnitt A
Schnitt B
Stiftung Froehlich
2011

Kohlhammerstr. 20

70771 Leinfelden-Echterdingen

Bauherr
Stiftung Fröhlich

Architektur
Gabriele Glöckler
Stuttgart

Project Managment
Gabriele Glöckler/ZSP-Architekten
Stuttgart

Mitarbeiter
Kirsten Amelang
Thomas Ehrle
Gabriele Glöckler
Thomas Kohler
Peter Vorbeck
Max Wuppermann

Tragwerksplaner
IGG Gölkel
Stuttgart

Haustechnik
IGW-Ingenieurgesellschaft
für Haustechnik Wetzstein GmbH
Herrenberg

Bauphysik
Bobran Ingenieure
Stuttgart

Fassadenplanung
Mossbacher und Roll
Tettnang

Landschaftsarchitekt
Glück Landschaftsarchitektur
Stuttgart

Bruttogeschossfläche
860 m2
 
Fotografie
Maix Mayer Leipzig