Mensa im Münsterland

Blick vom Altbau auf die neue Mensa, die sich ohne Architekten-Allüren in die Landschaft des Münsterlands fügt.
Kein Klimbim: Der Grundriss der neuen Mensa für die Betreuung der Schüler über den Mittag ist denkbar unkompliziert, das Gebäude funktionstüchtig. Mit einem Technikrücken mit Küche, Personalräumen und Lager im Nordwesten, einem Serviceblock mit Toiletten und Garderobe im Nordosten, und einem  hellen, offenen Raum mit bunten Stühlen. Ein Panoramafenster nach Südosten und großen Öffnungen nach Südwesten holen die Landschaft, das Grün, das Licht, das Wetter in den Innenraum.
Blick von Südosten. Mit dem Bestand bildet die neue Mensa einen Hof, der gegenüber der offenen Seite leicht erhöht liegt.
Mit dem Bestand, einem aus den 1970er Jahren stammenden Winkelbau, der seinerseits den ersten Schulbau erweiterte, umschließt die Mensa nun einen grünen Hof von dem aus man die Mensa betritt. Der Neubau nimmt dabei die Fluchtlinien des Bestands auf, leicht ist das sanft ansteigende Gelände terrassiert, so dass Haus und Hof leicht über dem Gelände im Süden liegen. Der für die Fassade gewählte Klinker orientiert sich am Bestand. Sheddächer sorgen für gleichmäßiges Licht, geben dem Haus eine einprägsame Silhouette.
Blick in den hellen Innenraum.
Das alles klingt simpel. Und doch entfaltet die Mensa einen eigenen Reiz, sind darin allein über den Ziegel, die Dachform, die Raumbildung Qualitäten entstanden, die zur Landschaft des Münsterlands gut passen – der sanften Topographie, den landwirtschaftlichen Strukturen, dem hohen Himmel. Die Sheddächer nehmen Bezug auf die Produktionshallen der Textilindustrie, die den Ort nun nicht mehr prägt, aber zur Geschichte des Ortes gehört. Die Dachneigung ist ideal, um zukünftig darauf Solarpaneele zu befestigen. Die Mensa wird damit Teil der landschaftlichen Struktur, ohne dabei irgendetwas anderes als eine Haus sein zu wollen. In dieser Bescheidenheit liegt die große Kunst, vielleicht weil es diese Architektur so selbstverständlich das ernst nimmt, was sie an dieser Stelle konkret zu verantworten hat.
Christian Holl
Lageplan
Axonometrie
Grundriss Erdgeschoss
Querschnitte
Neubau Mensa Realschule am Buchenberg Steinfurt
2011
Emsdettener Straße 40
48565 Steinfurt

Bauherr
Stadt Steinfurt

Architekten
kleyer.koblitz.letzel.freivogel.
Berlin/München

Projektleiter
Timm Kleyer

Tragwerksplanung
Roxler Ingenieurgesellschaft
Steinfurt

Technische Gebäudeausrüstung

Projektgruppe TGA
Grona

Brandschutz
Wijnfeld & Partner
Osnabrück

Küchenplanung
Planungsbüro Steuer
Havixbeck

Akustik
Acoustic Consulting Bernhard Marx
Berlin

Bruttogeschossfläche
600 m²

Baukosten
1,3 Mio. €

Fotografie
Christian Richters