Bahnhof RBS

In den Siebzigerjahren waren die ‹Mandarinli› der Bahngesellschaften SZB und VBW Pioniere im Regionalverkehr: Im dichten Taktfahrplan fuhren die orangen Züge aus dem unterirdischen Berner Bahnhof ins Umland, mit einem fein gesponnenen Busnetz waren die Dörfer und Quartiere abseits des Schienenstrangs mit der Bahn verbunden. Doch auch Pioniere altern, müssen aufgefrischt und weiter entwickelt werden. So hat der aus den einst eigenständigen Gesellschaften entstandene Regionalverkehr Bern-Solothurn RBS zahlreiche Stationen saniert oder umgebaut oder plant, dies in naher Gegenwart zu tun. Mit der grossen Kelle angerichtet hat der RBS in Zollikofen, wo sich die Züge einsteingleisig verschämt am SBB-Bahnhof vorbeizwängten. Mit einem grossen Dach stiehlt die Regionalbahn der Bundesbahn, die ihren Bahnhof ebenfalls umgebaut hat (HP 11/01), seit vergangenem Dezember die Show.
Das grosse Dach illustriert die Bedeutung des Bahnhofs Zollikofen als Verkehrsknotenpunkt.

Fotos: Dominique Plüss
Nun ist die RBS-Station ein Stück Richtung Bern gewandert und auf zwei Gleise angewachsen. Eine überdeckte Passerelle verbindet die Bahn über die Gleise hinweg mit dem Wohnquartier auf der einen und dem Grünraum auf der anderen Seite. Die Haltekanten der Busse sind mit wenigen Schritten erreichbar – kurze Wege sind einer der traditionellen Trümpfe des RBS. Zeigte das Vorprojekt noch herkömmliche Perrondächer, war dies den Planern im Wettbewerb nicht genug: Sie schlugen vor, den ganzen RBS-Bahnhof mit einem hohen Dach zu überspannen, um der Bedeutung des Knotens Zollikofen auch architektonisches Gewicht zu verleihen. Denn hier wird schon heute fleissig von Bahn zu Bahn und vor allem auf den Bus umgestiegen und ausserdem ist der Zollikofer Bahnhof das Herzstück eines kantonalen Entwicklungsschwerpunktes – allein ein Grundstück wenige Meter vom Bahnhof entfernt würde Platz für rund 2500 Arbeitsplätze schaffen können.
Unter dem prominenten Dach führendie Treppen auf die Passerelle, welche die Gleise von RBS und SBB überspannt.
Doch ist das ganze nicht dennoch eine Nummer zu gross für Zollikofen? Nein, denn die Idylle hat sich von hier längst verabschiedet, wie die Wohnhochhäuser gleich neben dem Bahnhof seit Jahrzehnten trefflich illustrieren. Also alles in Butter in Zollikofen? Nicht ganz. Denn im Schatten des neuen RBS-Daches scheint der SBB-Bahnhof aufs Abstellgleis geraten zu sein. Auch er glänzt zwar neu und mit einer farbigbeleuchteten Unterführung. Doch die Wege zum RBS-Bahnhof und zum Bus sind lang und nicht überdacht und das SBB-Gleis 1, das den Bahnsteig mit dem RBS-Gleis 21 teilt, dient (vorerst) nur dem Güterverkehr. Man würde sich wünschen, die SBB hätte ihre Perrons gleich neben dem RBSangelegt, doch offensichtlich war die Kraft des – weitgehend funktionslosen – alten Bahnhofsgebäudes stärker, die Perrons bei sich zu behalten. Das Haus steht nun als Relikt aus vergangenen Tagen zwischen den Gleisen. Dicht dahinter die RBS-Doppelspur, davor der SBB-Perron 1, auf demschon länger keine Züge mehr halten. WH
Der RBS-Bahnhof und die Wohnhochhäuser im Hintergrund bringen einen städtischen Massstab nach Zollikofen.
Der Situationsplan zeigt, wie die Station des RBS 1 vom alten Bahnhofsgebäude 2 und dem Perron der SBB 3 weggerückt ist.
Bahnhof RBS
2005
Bernstrasse
Zollikofen

Bauherrschaft
Regionalverkehr Bern-Solothurn RBS, SBB, Einwohnergemeinde Münchenbuchsee, Einwohnergemeinde Zollikofen

Projektverfasser

Planergemeinschaft
Bahnhof Zollikofen

BSR Architekten
Bürgi Schärer Raaflaub

Bern (Architektur)

Diggelmann + Partner
Bauingenieure
Bern

B + S Ingenieur
Bern

SMT Ingenieure + Planer
Bern

Gesamtkosten
RBS-Bahnhof
(BKP 1–9)
CHF 22,1 Mio.