Feuer- und Rettungswache 21

Mit dem Umzug Ende Januar 2017 konnte die neue Feuer- und Rettungswache 21 am Rande des Frankfurter Nordwestzentrums in Betrieb genommen werden. Bislang war die Feuer- und Rettungswache direkt im Nordwestzentrum untergebracht. Da aber die Räume zu groß und die Miete zu hoch war, fiel die Entscheidung für einen Neubau.

Das neue Grundstück liegt in unmittelbarer Nachbarschaft zum alten Standort am Rand der Nordweststadt. Es stellte die Architekten vor eine echte Herausforderung. Zwei Fahrzeughallen für fünf Feuerwehr- und drei Rettungsdienstfahrzeuge sowie den dazugehörigen Dienst- und Ruheräumen sollten auf dem engen Grünraumstreifen zwischen mehrspurigen Straßen untergebracht werden. Das vorgesehene komplexe Raumprogramm konnte nur auf dem kleinen Grundstück unterbracht werden, weil sich der Entwurf die Topographie des Ortes mit etwa sechs Metern Höhenunterschied zunutze machte.

Das dreigeschossige Gebäude wurde mit einem Geschoss in die Böschung eingegraben, das Gelände terrassiert. Auf dem höheren, nach Westen orientierten Niveau ist die Fahrzeughalle der Rettungswache angeordnet, versetzt dazu findet sich ein Stockwerk tiefer die Halle der Feuerwache; sie ist nach Osten orientiert. Die Vorflächen beider Hallen sind über Rampen und eine Gebäudeumfahrt miteinander verbunden. Dadurch sind für alle Fahrzeuge drei Ausfahrten auf die das Gebäude umschließenden Straßen möglich. Zwischen den beiden Hallen liegt das Treppenhaus, es verbindet die Feuer- und die Rettungswache miteinander und ist das zentrale Gelenk zwischen den verschiedenen Funktionsbereichen. Im südlichen Teil liegen unter der kleinere Halle Werkstätten, Lager- und Technikräume, hinter ihr im Erd- und Obergeschoss die Ruheräume, während die Aufenthaltsräume größtenteils über der größeren Halle angeordnet und nach Westen zu einer langen Dachterrasse hin orientiert wurden. Diese Terrassenfläche wurde gewonnen, in dem das Gebäude an seiner Westseite im Obergeschoss zurückgesetzt wurde, auf der Ostseite kragt es stattdessen aus, so dass Werkstattbereiche und Fahrzeughalle hier eine überdachte Vorzone erhalten. Die dadurch erzielte skulpturale Wirkung gliedert den langgestreckten Baukörper und nimmt den hohen Hallentoren die Dominanz, die horizontale Fassadengliederung betont die Längsrichtung zusätzlich und lässt das Gebäude schlank und elegant erscheinen, eine Eigenschaft, die noch dadurch verstärkt wird, dass auch die Brüstungen im Freibereich auf das Gebäude bezogen sind und die räumliche Konzeption veranschaulichen.

Das Haus fügt sich nicht zuletzt dank der Farbgebung in die Umgebung mit weiteren zwischen den Straßen liegenden, baumbestandenen Freiflächen ein. Es ist als Massivbau mit einer Betonsandwichkonstruktion ausgeführt. Die Fertigteile der Fassade aus gewaschenem Beton erhielten dank eines kleinteiligen Steinzuschlags eine lebendig strukturierte Oberfläche in einem rötlichen Erdton – dem Nidenser Rot, benannt nach der der Römerstadt Nida, deren nördliches Tor während vorangehenden denkmalschutzrechtlichen Grabungen auf dem Standort gefunden wurde. Die Fertigstellung hat sich dadurch gleichwohl nur geringfügig verzögert. Auch die Farbe der Fensterrahmen ist auf diesen Rotton abgestimmt. Er stellt den Bezug zur direkt neben dem Gebäude liegenden Fundstätte eines römischen Töpferofens her. Auf dem Gelände konnten weitere antike Ausgrabungsstücke gesichert werden, wie etwa ein bedeutsamer Kellerfensterstein, der im Foyer der Bereichswache ausgestellt wird. Im Innern setzt sich die Farbgebung des Äußeren fort und wird in mehreren Abstufungen bis zu einem dunklen Violett variiert.

Der Neubau der Bereichswache in der Frankfurter Nordweststadt wurde von der Architektenkammer Hessen zur Teilnahme am Tag der Architektur 2017 ausgewählt.
Location
Erich-Ollenhauer-Ring 2
Frankfurt am Main
Germany
Year of completion
2017
Bauherr
BKRZ Brandschutz-, Katastrophenschutz- und Rettungsdienstzentrum Grundstücksgesellschaft mbH & Co. KG

Architektur
KÖLLING ARCHITEKTEN BDA
LPH 1-4, teilw. 5 (Leitplanung),  6+7, teilw. 8 (künstl. Bl), Wärmeschutz- und Brandschutzkonzept

Kenndaten
BGF:  2.350 qm
Nutzfläche: 1.400 qm
BRI:  9.700 cbm
Leistungszeitraum:  2014 bis 2017

maßgeblicher Hersteller/Produkte
Mosa Tiles – Fliesenbeläge