Haus B

Neuerscheinung mit Fernblick
Umbau einer Villa aus den 1960er-Jahren

Umbauten bedeuten immer ein Abwägen, inwieweit die alte Bausubstanz erhalten werden kann und in welcher Form die Qualitäten eines zeitgenössischen Wohnens implementierbar sind. Najjar & Najjar Architekten schichteten das Haus B innen wie außen – im wahrsten Sinn – neu und setzten mit einer dreiteiligen Stützenkonstruktion ein neues Dachgeschoss oben auf. Mit Rundum-Panoramablick.

Auf den Hügeln des Wiener Beckens, den östlichen Ausläufern der Nordalpen, direkt an der Stadtgrenze Wiens, wurden seit dem 18. Jahrhundert kontinuierlich Villen gebaut. Mitten in diesem heterogenen Wohnumfeld fand sich das bestehende Haus aus den 1960er-Jahren.

Beim Umbau dieses Hauses am Hang spielte der Ausblick die Hauptrolle. Das ursprüngliche Gebäude mit wenig Villencharakter, oftmals umgebaut und erweitert, wies wenig architektonische oder räumliche Qualität auf. Besonders der jüngste Dachaufbau war von der Bausubstanz und als etwas überdimensioniertes Volumen nicht erhaltungswürdig.

Najjar & Najjar Architekten, bekannt für innovative – und durchaus komplexe – Lösungen, legten die „Persönlichkeit“ des Hauses frei und gestalteten eine zeitgenössische Villa, die vor allem von ihrer Differenzierung lebt. Schon an der Fassade kann man unterschiedliche Wohnbereiche – und die besondere Ambivalenz zwischen Privatheit und totalem Fernblick – ablesen. Materialität, Transparenz und Formenspiel werden in Schichten aufgebaut. Rames Najjar: „Wir wollten das relativ große Haus und die Vertikalität des bestehenden Blocks neu strukturieren. Die Sockelzone wird durch den Naturstein betont, nach oben wird das Haus immer transparenter.“ So trennt der Schlafbereich – als getöntes Glasband ablesbar – das Erdgeschoss vom oben aufgesetzten Wohnbereich.

Das Dachgeschoss wurde vollkommen neu gestaltet. Statisch von drei Stützen gehalten, ermöglicht die neue Konstruktion eine Rundum-Glasfassade und den 360-Grad-Blick von der obersten Ebene. Dieser ist bei klarem Wetter wirklich beeindruckend: das Wiental im Nordosten, im Süden das Alpenvorland, und im Osten kann man bis ans Grenzland von Ungarn und Slowenien sehen.

Raumstruktur
Die Villa ist Ost-West ausgerichtet und steht auf einem relativ schmalen und steilen Grundstück, das von zwei Zugangsstraßen erschlossen wird. Der bestehende, zentrale Eingang wird im Untergeschoss erhalten. Die Sockelzone ist der privatere und der uneinsichtigste Bereich des Hauses. Deswegen finden sich hier im Erdgeschoss und im ersten Obergeschoss die Schlaf-, Bad- und Wellnessräume. Durch die Hanglage und die optimierte Erschließung erreicht man von dort direkt die Terrasse auf der Westseite – und den Pool. Die Öffnungen des Bestandes werden an dieser Fassade erhalten.

Obenauf wurde östlich im zweiten Obergeschoss ein Bauteil hinzugefügt. Diese Auskragung betont das Wohngeschoss als „Haus auf dem Haus“. Auch die weiße Aluminium Fassade verstärkt die Wirkung der Leichtigkeit. Im Inneren wird der Raum groß und hell – eine offene Treppe führt in das letzte Geschoss, das wie ein Glaspavillon auf dem Haus thront. Die Räume sind fließend miteinander verbunden. Die „schräge“ Stützenkonstruktion verstärkt den Charakter eines modernisierten Lofts.
Insgesamt hat die Villa am Hang die 1960er-Jahre hinter sich gelassen und ist selbstbewusst im 21. Jahrhundert angekommen.
Location
Wien
Austria
Year of completion
2016
Mitarbeiter
Marek Dziubas
Conrad Kroenke
Santosh Kumar
Magdalena Kufel

ÖBA
Marek Dziubas / Najjar & Najjar 

Haustechnik
TGA Consulting Vienna Peter Cornelius
Reza Saber

Statik
Werkraum Wien 

Gartengestaltung
Ursula Wieser